Sonne, Bangkok und Meer.

Fünf Monate in China und plötzlich ist es so weit: Wir stehen am Flughafen in Guangzhou und warten auf das Check-in. Mit den Rädern und unseren Bergen an Gepäck ist das ein spannender Augenblick. Auch wenn fast alle Fluggesellschaften Räder mitnehmen, funktioniert es doch nie wirklich reibungslos. Die Räder passen nicht durch den Scanner. Erst nach vielen Diskussionen dürfen wir es selbst versuchen und bekommen unsere Drahtesel schließlich durch. Weiter geht es durch die Sicherheitskontrolle und dann bekommen wir unseren Ausreisestempel in den Pass. Kein China mehr. Für uns kaum vorstellbar.

Unsere Patria Terras sind bereit zum Abflug.

Unsere Patria Terras sind bereit zum Abflug.

Thailand

Der Flug ist kurz und so kommen wir mitten in der Nacht in Bangkok an. Bis wir die Räder wieder fahrtüchtig bekommen haben, ist es dann doch 5 Uhr. Knapp 30 Km Fahrt in diese Metropole stehen uns nun bevor und dazu herrscht hier auch noch LINKSVERKEHR! Wir brauchen lange, bis wir uns an diese ungewohnte Situation gewöhnt haben. Durch große Pfützen und über stark befahrene Freeways geht es bis zur Innenstadt. Als wir an einer Tankstelle halt machen, spricht uns ein Taxi-Fahrer an. „Hello! Where are you from?“ - „Germany.“, antworten wir schläfrig. „Wow! Congratulations! You are world champion!“ verkündet der Mann freudig mit einem strahlendem Lächeln und schüttelt uns die Hände. Wir verlassen die großen Straßen und fahren entlang der alten Kanäle durch Bangkoks Altstadt. Es ist noch angenehm kühl und die Stadt erwacht gerade zum Leben. Bangkok ist eine grüne Stadt, überall duftet es nach Jasmin und exotischen Blumen und auf Schritt und Tritt entdecken wir kleine Tempel mit ihren goldenen Dächern zwischen den Häusern. Bangkok verzaubert uns auf anhieb! Um der Party-Meile Khao San Road zu entgehen haben wir ein nettes Hostel in einem „normalen“ Wohnviertel der Stadt auf der anderen Seite des Flusses gebucht. Wir laden ab, tragen unsere Berge an Fahrradtaschen (ein letztes Mal) aufs Zimmer und gönnen uns erst einmal ein wenig Schlaf.

Blick vom Gold Mountain über Bangkok.

Blick vom Gold Mountain über Bangkok.

Lebhafte Gassen und goldene Dächer

Doch lange hält es uns nicht im Zimmer. Die Radfahrt hat uns neugierig gemacht und wir wollen unbedingt mehr von dieser Stadt sehen. In unserer Nachbarschaft bieten zahlreiche Händler exotische Früchte, frischen Fisch, Blumen, Gemüse und frisch zubereitetes Essen zum Mitnehmen an. Wir sind begeistert von der Freundlichkeit der Menschen und auch positiv überrascht wie leicht es mit der Verständigung klappt. (Obwohl wir kein Wort Thai und die Händler nur wenig Englisch sprechen.) Ehe wir uns versehen, haben uns zwei Frauen mit frischem Fisch, Curry, Bohnen und Klebreis zum Nachtisch eingedeckt. Unter laut summenden Ventilatoren lassen wir uns den scharfen Gaumenschmaus munden. Es ist unglaublich scharf. Wir schwitzen, die Nasen laufen und wir schwitzen noch mehr - aber es ist auch so unglaublich gut! Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zu Bangkoks berühmten Goldenen Berg. Von hier soll man eine besonders schöne Sicht über die ganze Stadt haben und den wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Tatsächlich ist die Aussicht fantastisch. Wir sind begeistert von Bangkoks vielseitiger Architektur: den vielen Tempeldächern, kleinen Höfen, Plattenbauten und modernsten und luxuriösesten Hochhäusern. Die Sonne scheint und der Himmel ist dramatisch blau. (Ein Genuss, in den man in chinesischen Großstädten eher selten kommt.) Im Wind wehen die thailändische Flagge und zahlreiche Gebets-Glocken. Schon jetzt sind wir sicher, dass uns Thailand sehr gut gefallen wird. Wir nehmen eine der zahlreichen Fähren, die auf Bangkoks Kanälen kreuzen, und fahren in Richtung Wat Pho - einem der berühmtesten Tempel der Stadt. Hier gibt es einen vergoldeten Buddha zu bestaunen, der mit seiner Größe beeindruckt: Er ist 46 Meter lang und 15 Meter hoch! Allein seine Fußsohlen sind mehrere Meter hoch und mit edelsten Perlmutt-Einlegearbeiten verziert. Doch nicht nur der Buddha, sondern auch die vielen Chedis (die thailändische Entsprechung der buddhistischen Stupa) gefallen uns sehr. Wir freuen uns schon jetzt auf unserem Rückweg noch einmal ein paar Tage in dieser schönen Stadt zu verbringen. Doch nun lockt der Strand und unsere beiden treuen Gefährten - die Räder - werden hier auf uns warten.

Auf dem Gold Mountain.

Auf dem Gold Mountain.

Es werde Stand!

Die Fähre setzt uns auf Koh Tao ab. Mit unendlich vielen anderen Touristen verlassen wir die Fähre und drängen uns über den Pier auf die kleinen Staßen des größten Ortes der Insel. „Hello Mister! Taxi, Taxi.“, „Taxi boat?“ oder „Bungalow, Mister?“ ruft es von überall. Geschickt picken sich die Promoter für die Resorts die Verunsichertsten aus den Massen und landen sie auf Pickups. Wir müssen einmal wieder über uns selbst schmunzeln: Was haben wir nur wieder erwarte? Wir entfliehen dem Gedränge und machen uns zu Fuß auf in Richtung Sairee Beach. Es ist nicht weit. Nur über einen kleinen Hügel, dann sind wir auch schon da: Weißer Sandstrand und türkis-blaues Wasser. Überglücklich stecken wir unsere Füße ins 30 Grad warme Meer. Wie lange haben wir uns auf diesen Augenblick gefreut! Am Strand reihen sich Resort an Resort. Trotzdem ist der Strand nicht überlaufen und der Ort strahlt eine entspannte Stimmung aus. Eine bezahlbare Unterkunft ist so schnell gefunden (anders geht es wohl vielen, die erst abends auf Koh Tao ankommen!). Unser erster Bungalow dieser Reise ist ein kleiner Pfahlbau aus Teakholz mit fließend kaltem Wasser und einer (!) Steckdose, die jedoch vom Ventilator in Beschlag genommen wird. Zudem liegt er keine Minute vom Strand entfernt und kommt mit einer dazugehörigen (blauäugigen Siam-) Katze. Es ist perfekt!

Sairee Beach auf Koh Tao.

Sairee Beach auf Koh Tao.

Frisch verliebt

Am nächsten Tag begeben wir uns auf die Suche nach einer Tauchschule. Schließlich sind wir vor allem hierfür nach Koh Tao gekommen. Unser Plan ist es am Südende des Strandes anzufangen und uns dann einmal bis zum Nordende durchzufragen. Doch manchmal kann alles so schnell gehen. Schon die erste Tauchschule hat uns voll und ganz überzeugt. Es ist eine kleine spanische SSI-Tauchschule mit unglaublich netten Lehrern - Pura Vida! Doch das beste daran: Wenn wir heute noch anfangen, sind wir alleine im englischen Kurs für unglaublich 7500 Baht pro Person (knapp 170 Euro). Na wenn das kein top Preis-Leistungs-Verhältnis ist (der spanische Kurs ist mit 4 Personen ausgebucht). Die Nächsten vier Tage sind wir damit nun beschäftigt: Morgens Theorie, nachmittags Tauchen und nachts Pauken und Hausaufgaben. Unsere argentinische Tauchlehrerin Mariana ist unglaublich nett und nimmt sich viel Zeit für uns. Am zweiten Nachmittag ist es so weit. Theoretisch haben wir alles abgehandelt, um zu unserem ersten Tauchgang aufzubrechen. Der Himmel ist blau, das Wasser noch blauer und wir machen uns mit dem Tauchboot der Schule auf zum „Japanese Garden“, einem der Top 10 Tauch-Hotspots der Insel. Zwischen zwei kleinen Inseln erstreckt sich ein hauchdünner weißer Sandstrand, der in einer kleinen Bucht in ein traumhaftes Korallenriff übergeht. Aber wir haben kaum Zeit dieses tropische Paradies zu genießen: Die Tauchausrüstung muss vorbereitet werden. Es ist das erste Mal, dass wir unsere eigne Ausrüstung aufbauen und testen. Auf dem Tauchdeck herrscht geschäftiges Treiben. In 4 Reihen stehen mehr als 50 Tanks an Sitzbänken in ihren Halterungen. Wir sind aufgeregt. Gleich werden wir das erste mal den SCUBA anlegen und unter Wasser atmen. Ein großer Schritt vom Boot und wir sind im Wasser. Wir knien im perfekten weißen Sand unter 2 Metern türkisem Wasser. Kleine bunte Fische umkreisen uns neugierig als wir unsere Übungen durchgehen (Maske ausblasen, Mundstück wiederfinden, ablegen und anlegen der Gewichte und der Ausrüstung unter Wasser, Notfallprozeduren und vieles mehr). Wir stellen uns recht geschickt an und haben so bereits nach einer Stunde alles bestanden. Nun haben wir noch so viel Luft im Tank, dass es zu einer ersten Runde in 6 Metern Tiefe geht. Fünf Monate Radfahren zahlen sich hier aus. „Ihr habt die Lunge von wahren Athleten!“ lobt uns Mariana immer wieder und wir erreichen für Anfänger unglaubliche Tauchzeiten. Zurück auf dem Boot werden wir das breite Lächeln für Stunden nicht los. Allen voran Mellie, die doch einige Angst vor diesem ersten Tauchgang hatte, ist restlos begeistert. Wir rennen fast vom Boot zurück zum Strand um noch eine Runde Schnorcheln gehen zu können, bevor es dunkel wird. Tauchen ist der absolute Wahnsinn!

Mellie genießt den Fahrtwind.

Mellie genießt den Fahrtwind.

Spaß beim Schnorcheln.

Spaß beim Schnorcheln.

Tiefer und Tiefer

Der dritte Tag Theorie beschäftigt sich vor allem mit Tauchunfällen, Vorsichtsmaßnahmen und der Planung eines Tauchganges. Tauchen ist nicht Radfahren und es gibt doch eine Menge zu beachten in dieser für Menschen ungewöhnlichen Umgebung. Schon in 10m Tiefe herrscht ein doppelt so hoher Druck auf uns als Taucher, wie an der Oberfläche. Alle luftgefüllten Hohlräume in unserem Körper müssen daher mittels eines Druckausgleichs sorgfältig an die Tiefe angepasst werden. Heute geht es tiefer. Wir tauchen erstmals auf 12 Meter. Zwei Mal geht es heute ins Wasser. Zwischen gewaltigen Korallenstöcken tauchen wir durch kristallklares blaues Wasser. Doch Mellie hat heute weniger Spaß. Ihr fällt der Druckausgleich in den Ohren sehr schwer. Wir nehmen uns daher viel Zeit. Nach den Tauchgängen klagt sie über Kopfweh. Zu allem Übel verderben wir uns am Abendessen auch noch den Magen. Am nächsten Morgen sollen wir eigentlich um 7 Uhr die beiden Tauchgänge auf 18 Meter bewältigen, aber das verdorbene Abendessen hält uns hiervon ab. Mellies Kopfweh und Übelkeit werden immer schlimmer, zudem kann sie schlecht hören. Wir gehen daher in die Klinik. Nach einem kurzem Gespräch und einer Untersuchung wird klar: Barotrauma am Mittelohr. Mellie hatte sich schon am ersten Tauchtag in nur zwei Metern Tiefe das Mittelohr wegen einer leichten Erkältung verletzt. Die Lebensmittelvergiftung war ihr Glück! Wären wir an diesem Morgen noch einmal tauchen gegangen, wäre ihr Trommelfell geplatzt.

Blau. Blauer. Koh Tao.

Blau. Blauer. Koh Tao.

Einsamer Open Water Diver

Der Tauchkurs ist damit für Mellie vorerst zu Ende. Sie darf mit ihrer Verletzung vorerst nicht ins Wasser. Eine bittere Diagnose im Badeparadies. Ich mache meinen Kurs daher ohne sie weiter. Es kann schließlich ein bis sechs Wochen dauern, bis Mellie wieder tauchen darf. Ich bin doch sehr aufgeregt, nachdem was Mellie passiert ist und deutlich angespannter als die Tage zuvor. Am diesem Morgen geht es für mich zum Chumphon Pinnacle, dem Tauchspot der Insel. Zwei gewaltige Säulen ragen hier aus 35m Tiefe bis knapp unter die Wasseroberfläche. Im tiefen Blau um die Säulen tummeln sich große Schulen von Barrakudas und anderen Fischen. Zudem ziehen hier häufig gewaltige Walhaie ihre Runden. Leider sehen wir an diesem Tag keinen dieser friedlichen Giganten, aber der Tauchgang ist dennoch spektakulär. Nur Mellie fehlt mir: Ohne meinen „Buddy“ (denn tauchen geht man immer zu zweit im Buddy-System) ist es einfach nicht das Gleiche. Am Nachmittag erhalte ich dann schließlich mein Open Water Zertifikat als „autonomous diver“, nachdem Mellie und ich zuvor unsere theoretische Prüfung mit streberhaften 100% bestanden haben. Von nun an darf ich also weltweit Tauchen gehen und warte sehnsüchtig darauf, dass auch mein Buddy wieder ins Wasser kann, um mit ihr die Tiefen Südostasiens zu erkunden. Thailand ist der Hammer!

Die beste Tauchlehrerin der Welt: Mariana von Pura Vida!

Die beste Tauchlehrerin der Welt: Mariana von Pura Vida!

Jaaaa! Ich hab den Tauchschein!

Jaaaa! Ich hab den Tauchschein!

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