Malaysia mit Hindernissen

Wir sind wieder da. Fast 10 Tage hatte uns das Dengue Fieber außer Gefecht gesetzt, doch nun sind wir auf dem Weg der Besserung und freuen uns, unseren neuesten Blog-Eintrag mit Euch teilen zu können:

Palau Penang

Wir verlassen also die schöne Insel Koh Tao im Osten Thailands. Mit der Nachfähre und dem Minibus erreichen wir gegen Mittag die thailändisch-malaysische Grenze. Ein prüfender Blick der Beamten und schon sind Ein-und Ausreisestempel im Pass. Am frühen Abend erreichen wir Penang. Die Insel liegt vor der Westküste Peninsular Malaysias und ist bekannt für ihre kulturelle Vielfalt. Wer glaubt, die USA seien ein „Melting Pot“, der sollte erst einmal hierher kommen: Von Little India, über China Town, das alte britisch-koloniale Viertel mit prunkvollen Villen bis hin zum japanischen und malaysischen Viertel gibt es alles zu sehen, riechen, schmecken und erleben.

Schwer verliebt in China Town und Little India

Absolut begeistert sind wir von China Town. Hier leben die Baba-Nyonya - eine ethnische Gruppe, die aus Verbindungen zwischen chinesischen Männern und malaiischen Frauen im späten 19. Jahrhundert entstand - und natürlich auch viele spätere chinesische Aussiedler des 20. Jahrhundert. Unser Hotel liegt in einem alten chinesischen Haus aus den 1920er Jahren mit dunklen Teakholz-Dielen, mehreren Innenhöfen, reich mit Schnitzereien verzierten Fenstern und unendlich viel chinesischem Porzellan zur Dekoration. Wir fühlen uns ein wenig wie zu Gast in einem alten Jackie Chan Film und sind völlig hin und weg. So würde China heute sicher aussehen, wenn es den Kommunismus nicht gegeben hätte - der absolute Wahnsinn!

Auch chinesische Touristen lieben Penang.

Auch chinesische Touristen lieben Penang.

Doch nicht nur China Town, sondern auch Little India erobert unser Herz im Handumdrehen. Es duftet nach frisch gebundenen Blumenkränzen, aus den Geschäften ertönt laute und schrille Musik, wie wir sie aus Bollywood Filmen kennen, Frauen tragen farbenprächtige Saris und von überall her bieten Händler die exotischsten Leckereien an. Bislang dachten wir immer, die indische Küche mit ihren vielen Currys, sei nicht so sehr nach unserem Geschmack, doch was wir nicht wussten: Indisches Gebäck ist unglaublich gut! So gönnen wir uns zum Mittag frittierte Teigtaschen mit Hühnchen-, Thunfisch oder Gemüsefüllung und zum Nachtisch ein großes Glas süßen Eistee mit den leckersten süßen Gebäckstückchen, die wir je gegessen haben. (Keine Übetreibung!) Schon allein für die bombastische Küche haben wir uns fest vorgenommen auf einer unserer nächsten Reisen einmal nach Indien zu fahren.

Indische Blumenkränze.

Indische Blumenkränze.

Perhentian Islands: Ein Paradies?

Tief beeindruckt von unseren ersten Erlebnissen in Malaysia steigen wir in den Nachtbus in Richtung Ostküste. Auf unseren vielen China-Reisen waren wir schon oft in Bussen unterwegs - was uns hier erwartet toppt jedoch alles: Riesige breite Sessel, WiFi und sogar Strom. Das macht gerade mal 12 Euro pro Person. Wir dachten immer China sei einmalig, wenn es um Komfort geht. Falsch gedacht - Südostasien hat das erst richtig drauf. 🙂 Am frühen Morgen erreichen wir unser Ziel und steigen auf das Longboat auf die Perhentian Islands. Wir alle müssen Schwimmwesten tragen, denn die Boote fahren schnell und geraten in den Kurven in ordentliche Schieflage. Wir sind aufgeregt. Von anderen Reisenden haben wir so viel gutes über die Perhentians gehört. Nur unter vorgehaltener Hand und mit gedämpfter Stimme wurde uns von diesem Paradies berichtet. 35 Minuten später erreichen wir den Anleger in Coral Bay. Wir sind ernüchtert. Das Wasser ist tatsächlich kristallklar und türkisblau, der Strand jedoch vermüllt, voller Boote und der gesamte Ort wirkt deutlich heruntergekommen. Zudem ist Hauptsaison und alle Preise aus unserem Reiseführer haben sich mindestens verdoppelt. Wir ergattern den letzten noch freien Bungalow (der auf einer Wasserlache und Brutstätte für Mücken steht) im schäbigen Aur Bay. (Wir sind sicher nicht anspruchsvoll, müssen aber klar sagen, dass wir dieses Zimmer unter anderen Bedingungen nicht genommen hätten!) Aber was solls: Wir sind endlich da und heute ist Sebastians Geburtstag! Wir lassen uns die Laune also nicht vermiesen und verbringen einen schönen Tag im Wasser beim Baden und Schnorcheln.

Long Beach.

Long Beach.

Diagnose: Dengue Fieber!

Die Nacht über teilen wir unseren Bungalow mit einer Milliarde Mücken. Am nächsten Morgen wache ich schon mit Fieber auf, einige Stunden später bekommt auch Sebastian Fieber. Wir schieben es erst auf die Sonne und glauben an einen Sonnenstich. Als das Fieber jedoch nicht sinkt, sondern gegen Abend steigt und sich zudem starke Schmerzen einstellen, sind wir schon recht sicher, dass wir uns wohl eine Tropenkrankheit eingefangen haben müssen. Die Nacht ist der Horror. Fern abgeschieden von jeder Zivilisation und ohne Arzt hat Sebastian fast 40 Grad Fieber. Immer wieder werden wir beide von Schmerzen geweckt. Am nächsten Morgen schleppen wir uns mit letzter Kraft zurück zum Anlegesteg und fahren mit Boot und Minibus auf dem schnellsten Weg ins nächste Krankenhaus. Doch hier herrscht Hochbetrieb und wir müssen erst einmal vier Stunden warten. Am frühen Abend dann erhalten wir schließlich die Diagnose: Dengue Fieber, das auch Knochenbrecher-Fieber genannt wird. Daher also das hohe Fieber und die Schmerzen.

Diagnose: Dengue Fieber!

Diagnose: Dengue Fieber!

So viel Pech an nur einem Tag...

Völlig erledigt kommen wir in unserem Hostel an. Hier werden wir herzlich von Zeck und Mariam aufgenommen. Ihr Sohn habe auch gerade Dengue erzählen sie und kümmern sich rührend um uns. Nach diesem schrecklichen Tag wollen wir nur noch schnell etwas zu essen kaufen und uns dann ins Bett legen. Wir taumeln also fiebrig durch die Straßen. Kurz bevor wir das Hostel schon wieder erreicht haben, höre ich ein Motorrad von hinten anfahren. Ich spüre, dass es mich kurz am Bein berührt und denke, dass ich nun auch noch angefahren worden sein muss. Doch dann geht alles ganz schnell und doch kommt mir der Moment vor, wie in Zeitlupe. Der Fahrer greift meine kleine rote Handtasche, deren Tragegurt quer über meine Brust läuft. Der Gurt reißt und da fährt er auch schon davon. Wie versteinert stehen wir da und sehen im zu, wie er in die nächste Straße einbiegt. Wir können nicht fassen, dass man an einem einzigen Tag tatsächlich so viel Pech haben kann. Doch wie uns die Polizei später versichert, haben wir großes Glück gehabt. Wäre der Tragegurt meiner Tasche nicht gerissen, hätte mich der Dieb auf dem Motorrad mitgerissen und ich hätte mich schwer verletzen können. (Das kommt wohl leider gar nicht so selten vor.) Gelohnt hat sich der Überfall nicht gerade - Sebastians altes iPhone ist der einzige Wertgegenstand, den der Dieb erbeuten konnte. Ich habe jedenfalls einen ordentlichen Schreck davon getragen und zucke nun jedes Mal zusammen, wenn ein Motorrad an mir vorbei fährt.

Die nächsten 10 Tage hat uns das Dengue-Fieber schwer im Griff. Jeden Morgen fahren wir zum Krankenhaus und lassen unsere Blutwerte kontrollieren. Ansonsten schlafen wir zumeist. Die Tage ziehen vorbei und es geht uns nur höchst langsam besser. Erst seit zwei Tagen hat das Krankenhaus nun Entwarnung gegeben. Die Blutwerte sind wieder steigend. Von topfitten China-Radlern mit Athleten-Lungen (so unsere Tauchlehrerin in Thailand) ist jedoch nichts übrig geblieben. Es wird wohl auch noch eine ganze Weile dauern bis wir wieder ganz die Alten sind.

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