Auf der Seidenstraße nach Yarkand

MaskeYarkand
Idkah Moschee Kashgar

Es geht los!

Nach sechs Tagen Zwangspause in Kashgar geht es endlich los. Wir tragen die Taschen aus dem 3. Stock Stock auf die Straße. Das dauert, denn einer muss immer unten bei den Rädern bleiben. Wo auch immer wir stehen bleiben, bildet sich schnell eine kleine Menschenmenge. Vielen reicht gucken dabei nicht und so wird alles einmal angefasst. Vom Hostel geht es über den Platzt an der Idkah Mosche vorbei. Eigentlich wollten wir noch schnell ein Bild von uns und den Rädern vor der Mosche machen, bevor es weiter geht, aber wir sind zu langsam und Mellie innerhalb von Sekunden umringt von Kindern. Auch der Weg aus Kashgar zieht sich. Die Stadt wächst in einem rasanten Tempo und wir schon jetzt als neues Wirtschaftszentrum in Chinas Westen gehandelt. Doch dann ist es so weit: Wir stehen auf einer pappelgesäumten, einsamen Landstraße. Wir hatten uns für einen Umweg entschieden um der vierspurigen Hauptstraße mit ihrem Verkehr zu entgehen.

Auf der Polizeistation

Das Fahren macht hungrig und da trifft es sich gut, dass wir am frühen Nachmittag eine größere Ortschaft erreichen. Langsam fahren wir durch den Ort und halten Ausschau nach einem netten Restaurant. Etwa im Stadtzentrum werden wir zuerst von drei Polizeibussen eingekreist und dann angehalten. Die Polizisten sind sehr freundlich, nehmen und aber mit auf die Wache. Aktau, so erklärt man uns hier, ist nicht für Ausländer freigegeben. Um den Ort zu durchfahren hätten wir bei den Behörden in Kashgar eine entsprechende Genehmigung einholen müssen. Sollte der idyllische Umweg am Ende eine Sackgasse sein? Ein strenger, aber freundlicher Polizist, der auch englisch spricht, verhandelt zwischen den Zuständigen für uns. Schließlich die erleichternde Nachricht: Wir dürfen passieren, aber nirgendwo anhalten. Damit können wir leben. Bis zum Ortsende werden wir von einem Polizeiauto eskortiert. Noch 10 weitere Kilometer haben wir einen roten Santana mit getönten Scheiben als Schatten, bevor wir endlich wieder unter uns sind. Zelten in der Taklamakan

Friedhof oder Kiesgrube?

Die Tage sind immernoch kurz: Um 19 Uhr ist es dunkel. Es ist 17:30 Uhr als wir unseren Schatten los sind und wir sind heute 60 Km lang nur durch Ortschaften oder vorbei an überfluteten Feldern gefahren. Es ist kein Schlafplatz in Sicht! Vorsichtig schielen wir in jede Nebenstraße. Doch das Zusammentreffen mit der Polizei hat uns sehr vorsichtig gemacht und wir wollen keinen weiteren Ärger. Endlich taucht eine karge Hügelkette auf, die unbewohnt scheint. Wir fahren über Feldwege und an einer Morschee und einigen Häusern vorbei und nach einigen hin und her stehen wir am Fuß der Kette: ein Friedhof! So weit das Auge reicht Lehm- und Hügelgräber. Doch es dämmert schon und zum Weiterfahren bleibt keine Zeit. Wir schieben unsere Räder also bis ans Ende des Hügelfeldes bergauf, bis wir ein kleines ausgewaschenes Bachtal erreichen. Muss reichen. Schnell bauen wir unser Zelt auf und kriechen in die Schlafsäcke. Wir schlafen in dieser Nacht von 20:30 Uhr bis 8:30 Uhr morgens! Ein Rekord. Am nächsten Morgen ist alles mit einer dicken Einschicht überzogen. Es dauert fast 2 Stunden bis die Sonne durch den halbbedeckten Himmel das Gröbste schmelzen und verdunsten kann. Immerhin sind wir uns nun bei Tageslicht fast 100-prozentig sicher nicht auf einem Friedhof übernachtet zu haben, sondern in einer Art Kiesgrube hinter dem Friedhof. Das beruhigt unser Gewissen. Das lange Warten verkürzt die ohnehin kurzen Tage jedoch weiter. Zwei Kamele in der Taklamakan

Auf in die Offene Wüste

Gegen Mittag erreichen wir Yengisar. Hier kommen fast alle berühmten uighurischen Messer her. Wir sind mit unserer Kilometerleistung aber nicht zufrieden und so bleibt es bei einer kurzen Pause für ein Mittagessen. Nach Yengisar fahren wir wieder auf der Landstrasse Kashgar-Hotan. Die Autobahn ist seit kurzem fertiggestellt und so hält sich der Verkehr für uns sehr in Grenzen. Die Ortschaften enden und wir fahren nun erstmals in die offene Wüste. Auch die zweite Nacht verbringen wir in einer Kiesgrube zwischen Autobahn und Landstraße und wir brauchen lange um alles morgens von Nässe und Eis zu befreien. Doch die großartige leere Wüstenlandschaft entschädigt für diese zeitraubende Prozedur. Am frühen Mittag sehen wir dann unsere ersten Kamele am Straßenrand. Wir sind begeistert von den beiden zotteligen Riesen. Wir kurz vor Yarkand

35 Km nach Yarkand?

Mellie ist guter Dinge und legt heute eine ordentliche Geschwindigkeit vor. Mittags erreichen wir den ersten und letzten Ort bis zum 80 Km fernen Yarkand. Wie üblich essen wir ordentlich, tanken Wasser auf und nehmen uns etwas Nan (Fladenbrot) fürs Abendessen mit. Die nächsten 2 Stunden können wir unser Tempo gut halten und so fangen wir an von einem Abend im Hotelzimmer in Yarkand zu träumen. Warme Dusche, weiches Bett und kein Zeltaufbau klingen verführerisch. Ein Schild an der Autobahn besiegelt den Entschluss: 35 Km bis Yarkand. Wir sind skeptisch, da es nach unseren Karten und Berechnungen eher 55 Km sein müssten, aber der Ehrgeiz ist geweckt; daran kann auch der aufkommende Gegenwind nichts ändern. 15 Km weiter die Ernüchterung, denn hier steht das selbe Schild an der Straße und verkündet weiterhin 35 Km. Es geht nun leicht bergauf und der Wind bläst unvermindert. Jetzt aufgeben? Nie! Es wird dunkel und zu unserem Unglück verwandelt sich die Straße in eine Sand- und Schotterpiste. Nur wenige Autos schalten ihr Licht ein, Motorroller und Eselskarren haben meist überhaupt keins. Der Staub nimmt uns die Sicht und brennt in den Augen und den Lungen. Doch nun sind wir wieder in Ortschaften und Zelten ist nicht mehr möglich. Wir zeihen es also durch. Wie lange kann die Straße schon so weiter gehen? Die Antwort: 25 Km! Ein 3-stündiger Albtraum im Dunklen mit keinen 5 Metern Fernsicht und wagenradgroßen Schlaglöchern wohin man fährt. 12 Muqam Platz in Yarkand

105 Km!

Wir sind 105 Km gefahren, als wir endlich erschöpft Yarkand erreichen. 105 Km durch die Wüste, mit 50 Kg Rad und Gepäck, steter Steigung und Gegenwind, Dunkelheit, Staub und Schlaglöchern. Ja, wir sind stolz, duschen und gehen schlafen. Drei tolle, aufregende und lange Tage gehen zu Ende. Heute ist Ruhetag. Den haben wir uns verdient.

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5 Comments

  1. Toll, das bleibt ein Traum für uns. Jetzt haben wir die Zeit, leider sind wir zu alt. ( 75 )Wir fahren mit Rohloff- Schaltung und guten Rädern durch Deutschland. LG Majo

    • Hallo Jochen und Margret, vielen Dank für die netten Zeilen! Wir hoffen, dass wir mit 75 auch noch mit dem Fahrrad durch Deutschland fahren können. Die weite Welt fängt vor der Haustür an. Herzliche Grüße und alles Gute, Melanie & Sebastian

  2. Hallo Melanie und Sebastian,
    nun verfolge ich euer Abenteuer von Anfang an. Alles Gute und möglichst wenig „Hindernisse“ jeder Art. Gute Reise

    • Hallo Hartmut, vielen Dank für die guten Wünsche. Herzliche Grüße und weiterhin viel Spaß beim Blog Lesen. Melanie & Sebastian

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