Über eisige Pässe nach Xining

MaskeXining
Nachdem wir am Pass in Sunan umdrehen mussten, steht nach wie vor die Überquerung des Qilian Gebirges nach Xining an. Diesmal haben wir uns aber für eine asphaltierte und besser ausgebaute Straße entschieden. Nichts desto trotz müssen wir innerhalb knapp einer Woche eine Strecke von 250 Km über hohe Pässe bewältigen um rechtzeitig zur Verlängerung unseres Visums in Xining zu sein. Keine Reise ohne Segen.

Der zweite Anlauf

Auf Asphalt fährt es sich deutlich schneller! Wir kommen zügig voran und erreichen am Abend des zweiten Tages bereits den Anstieg des ersten Passes. An die Höhe sind wir durch die vergangenen Tage gut angepasst. Am nächsten Morgen schwingen wir uns bei durchwachsenen Wetter auf die Räder um den Pass zu nehmen. Ein kleiner buddhistischer Tempel markiert den Eingang in das enge Tal. Räucherstäbchen brennen, Gebetsfahnen flattern im Wind und Glocken läuten vom Dachsims. Wir legen dem Buddha einige Scheine zu Füßen und hoffen auf eine gute Weiterreise. Doch wir müssen wohl etwas falsch gemacht haben, denn mittags, knapp unterhalb des Passes fallen die Temperaturen drastisch und es fängt an zu schneien. Der Schnee peitscht uns ins Gesicht, die Steigung schmerzt in den Waden, die kalte Luft sticht in der Lunge. Japsend schleppe ich mich die Berge hoch, da ertönt hinter mir ein fröhliches: „Yaaay, hast du Spaß??“ - „Lass mich bloß in Ruhe.“ knurre ich zurück und denke „Will der mich verarschen? Wie Spaß? Das hier ist schrecklich.“ Aber wir lassen nicht locker, beißen die Zähne zusammen und schaffen es bis nach oben. Auf dem Pass ziehen wir alle Kleidungsschichten übereinander, die wir dabei haben. Bei eisiger Kälte sausen wir die Serpentinen hinab. Mit gemischten Gefühlen wärmen wir uns in einem kleinen Restaurant auf. Wir haben es zwar geschafft, aber die eisige Überquerung hat viel Kraft gekostet. Zudem sind wir noch immer auf über 3400 m und die Region ist bekannt für ihre schnellen Wetterwechsel und ihr schlechtes Wetter. Weit kommen wir nicht mehr und suchen uns ein schönes Plätzchen für ein frühes Nachtlager. Kurz nach dem Abendessen fallen leise erste Flocken. Eine kalte Nacht bricht an. Eingeschneit

Durch Eis und Schnee

Am nächsten Morgen erwarten uns fast 10 cm Neuschnee vor dem Zelt. Noch immer herrscht draußen ein heftiges Schneetreiben. Wie soll es weiter gehen? Wir können die weiteren Pässe nicht im Schnee angehen. Ratlos liegen wir im Zelt und warten. Und das Warten lohnt sich: Am frühen Mittag bricht die Sonne durch und belohnt uns mit einer herrlichen Aussicht auf die frisch überschneiten Berge. Das weite Tal liegt nun tief verschneit im Sonnenschein unter blauen Himmel. Aller Schrecken der letzten Nacht ist vergessen. Schnell packen wir alles zusammen und machen uns wieder auf den Weg. Doch unser Glück hält nicht lange an. Kurz unterhalb des nächsten Passes, überrascht uns wieder ein heftiger Schneesturm. Wir schleppen uns weiter. Die Schneeflocken peitschen ins Gesicht und fühlen sich dabei an wie feine Nadelstiche. Bei der Abfahrt müssen wir immer wieder Pausen einlegen und uns Hände und Füße wärmen. Wir springen auf und ab, tanzen, schieben das Fahrrad ein Stück, und versuchen uns gegenseitig mit guter Stimmung zu motivieren. Nach einer unglaublich kalten Abfahrt retten wir uns in unsere Zelt. Eine weitere Nacht mit viel Neuschnee bricht an. Ich liege dick eingepackt unter Schlafsack und Militärdecke, doch die Anstrengung der letzten Tage lässt meinen Kreislauf einfach nicht mehr in Schwung kommen. Ich zittere vor Kälte und frage mich, wie ich wohl einschlafen soll. Da ertönt es abermals vergnügt: „Hach, ist dir auch so schön warm?“ - „Nein, Schatz. Nein.“

Happy End

Am nächsten Morgen herrscht toten Stille. Einer der beiden Pässe, den wir in den letzten Tagen überquert haben, muss wegen der Schneemassen geschlossen worden sein und so bleibt die Straße leer. Doch es hat keinen Zweck. Mit einem mulmigen Gefühl müssen wir weiter. Heute hat aber das Wetter gedreht und so gelingt es uns gegen Mittag dem Schneetreiben zu entkommen. Wir schaffen es bis zum Anstieg des letzten und höchsten Passes vor Xining, aber hier endet die Fahrt. Die Straße wird von der Polizei kontrolliert. Es ist zu viel Schnee gefallen und nur PKW, Busse und kleine Gruppen von LKW dürfen über den Pass. Ziemlich deprimiert nehmen wir also den Bus. Bei strahlenden Sonnenschein und wolkenlosem Himmel fahren wir die restliche Strecke bis Xining. Es ist als wollte das Qilian Gebirge uns verspotten. Auf dem Pass dann aber doch die Erleichterung, denn bei diesen Schneemassen hätten wir tatsächlich nicht mehr Fahrrad fahren können. Nach drei Tagen Schnee und Kälte und fast 2000 Km begrüßt uns in Xining die Kirschblüte. Bei Sonnenschein sitzen wir im Park und essen Eis. Die erste große Etappe ist geschafft. Es ist wohlig warm. Jetzt habe auch ich wieder Spaß! Frühling!

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7 Comments

  1. Danke für die tollen Bilder und supi Reisebericht. Viel Glück auf Eurem weiteren Weg und kommt gesund wieder heim

  2. Puh, bisher war ich ja nur neidisch auf eure tollen Erlebnisse, aber bei dem Bericht über die Kälte verzieht sich die Eifersucht ganz ganz schnell.;-)Wünsche euch ein paar warme Frühlingssonnenstrahlen und freie Wege. Ich denke an euch und fieber mit.

    • Judith, wie schön von dir zu hören! Ja, der Schnee war krass, aber im Nachhinein nun doch ein tolles Erlebnis. Wir sind selbst überrascht wie sehr man abhärten kann. Heute genießen wir aber das blühende und sommerlich warme Xining. 🙂 Ganz liebe Grüße und eine Umarmung, Mellie (& Sebastian)

      • Hallo Ihr Zwei, mit Spannung haben wir an unserem Frauenabend Eure Reise im Internet verfolgt. Eindeutig wollten wir nicht mit Euch tauschen. Trotzdem wünschen wir Euch weiterhin eine gute Reise. Wir sind in Gedanken oft bei Euch. Tschau unser Abend ist jetzt zu Ende. Bei uns wird langsam Frühling. Unsér Apfelbaum steht in voller Blüte, genauso schön wie Euer Kirschbaum. Liebe Grüße von Veronika, Christine und Gerlinde

  3. Leute, ich fange an zu frieren, wenn ich eure Geschichten lese und Bilder betrachte. Wirklich tolle Eindrücke, die ihr da schildert. Und ich finde es echt gut, dass ihr so offen mit vermeintlichen Rückschlägen wie einem nicht geschafften Pass umgeht. Das ist aus meiner Sicht wahre Stärke.
    Ich wünsche euch aber jetzt warme Tage und weiterhin viel Spaß!

    Gruß,
    martin

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