Kalt. Kälter. Bishkek.

Eiskalt

Es ist kalt. EISKALT. Unser Fenster ist von unten bis oben mit einer dicken Eisschicht überfroren. Draußen liegt Schnee und bei -16 Grad bläst ein eisiger Wind. Drei Stunden waren wir heute am Stück draußen. Auf der Straße tragen viele Männer schöne Fellmützen, die Frauen edle Pelzmäntel, Lederstiefel und Kapuzen mit Pelzbesatz. Wir fühlen uns in unserer Outddorkleidung in schreienden Farben und eher wenig stilvoller Eleganz ziemlich underdressed - doch sie hält uns warm und ist praktisch. Ein beißender Geruch von Kohleöfen und billigem Benzin liegt in der Luft. Hier und da mischt sich etwas Holzfeuer hinzu. Trotz der eisigen Temperaturen herrscht auf den Straßen geschäftiges Treiben. Der Schnee knirscht unter den Sohlen. Gespannt laufen wir die Hauptstraße entlang und dem berühmtem Ala-Too Platz entgegen. Ala-Too Platz im Winter

Ala-Too Platz

Von einer frischen Schneeschicht überzogen liegt er still vor uns. Gänzlich verweist - fast unheimlich. Direkt vor uns halten zwei junge Soldaten Ehrenwache vor der gehissten kirgisischen Flagge. Wachwechsel. Im Spießschritt kommt die Ablösung. Perfekt einstudiert werden die Plätze getauscht. Die beiden Wachhäuschen scheinen beheizt, doch spricht der stündliche Wachwechsel dafür, dass auch den Soldaten sehr kalt sein muss. An zentraler Stelle wurde Lenin ein Ehrenmal gesetzt. Dieses musste vor zehn Jahren der „Erkendik“ (Freiheits-) Statue weichen, was jedoch nichts am Flair des Platzes verändert hat. Im Hintergrund thront monumental das Staatshistorische Museum. In ihm wird die Geschichte Kirgistans und der Aufstieg der Kommunistischen Partei in Szene gesetzt. Uns beeindruckt vor allem der gewaltige Treppenaufgang mit Blick auf die Helden der Revolution umringt von bunten Deckengemälden der drei Stockwerke darüber. Ehrfürchtig bestaunen wir diesen fast schon sakralen Anblick…und genießen die Wärme im Museum. Panfilov Park

Sovjetskaja

Draußen hat es aufgehört zu schneien. Wir folgen der Chuy Prospekt (früher Stalin, dann Lenin Prospekt) weiter Richtung Osten und kehren in einem gutbesuchten Restaurant, namens „Sovjetskaja“, ein. Bei Lahman, Manti, würzigem Salat und einem herzhaften Leber-Kartoffel-Gratin mit Zwiebeln wärmen wir uns wieder auf. Unser Rückweg führt uns durch den berühmten Panfilov Park. Obwohl wir Deutsche sind, lässt uns die Panfilov Statue vorbei. Der Park stellt sich als Vergnügungspark heraus. Kettenkarussell und Riesenrad fahren sind im kirgisischen Winter jedoch eher unvergnüglich und so bleiben die Attraktionen leider geschlossen. Eine Vielzahl von Geisterbahnen, Fahrgeschäften, Restaurants und Imbissständen lassen erkennen, dass dieser Ort im Sommer ganz gewiss ein Highlight der Stadt ist. Jetzt ist es aber einfach nur noch kalt und so eilen wir durch den Park zur letzten Sehenswürdigkeit des Tages. Russisch-orthodoxe Kirche Dschibek Dscholu

Weihrauch und Gesang

Die kleine russisch-orthodoxe Kirche Dschibek Dscholu liegt am Rande der Innenstadt. Auch hier kann Bishkek nicht mit historischen Sehenswürdigkeiten aufwarten, dennoch ist es eine sehr schöne und wie üblich reich verzierte Kirche unter Zwiebeltürmen. Die Kirche ist gut besucht und wir wollen die Gläubigen nicht zu lange stören. Daher machen wir uns auf den Heimweg. Es dämmert und es schneit wieder ein wenig. Alles in allem gefällt uns Bishkek ausgesprochen gut, auch im Winter. Trotzdem sind wir froh, den kalten Temperaturen wieder zu entfliehen. Sie haben es uns nicht immer leicht gemacht die Stadt zu erkunden und wir freuen uns darauf einmal wieder zu kommen, wenn es wärmer ist. Morgen wird es für uns wieder spannend: Wir werden den Höllenritt über die Berge nach Osh wagen. Wenn alles klappt organisiert uns Zakir, unser Gastgeber, eine Fahrt mit einem Minivan vom Osh Bazar. Wegen des Schneefalls müssen wir uns jedoch auf eine 15 Std. Fahrt einstellen. Ihr hört daher erst Anfang nächster Woche wieder von uns aus Osh. Drückt uns die Daumen!

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